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[Review] PATHFINDER - Beyond the Time, Beyond the Space

PATHFINDER - Beyond the Space, Beyond the Time
Stil: Symphonic Power Metal
Label: Eigenproduktion
Songanzahl: 13 Songs
Dauer: 50:07
Webseite: http://www.pathfinderband.com/
Wertung: 14/15
Reviewer: Steelbound | 09.09.2010





  

 

Als ich PATHFINDER vor einigen Monaten entdeckte, konnten sie mich mit ihrer 2008er EP vollends begeistern. Eine polnische Band, die klingt wie eine Mischung aus BLIND- GUARDIAN und DRAGONFORCE – einfach nur göttlich! Die Songs klangen dementsprechend, waren mit verdammt viel Power vertont, die Band beherrschte ihre Instrumente perfekt und Sänger Szymon konnte ebenfalls mit einem einzigartigen Organ überzeugen. Auch die Produktion war über alle Zweifel erhaben: Fett und dynamisch klang das Teil.

 

Und das war gerade mal das erste Lebenszeichen der Band. Was sollen da noch für Großtaten folgen?

 

Teilweise habe ich nun die Antwort hier vor mir liegen, nämlich in Form des neuen Albums der Band, "Beyond the Space, Beyond the Time" betitelt. Und ich kann euch versprechen: Hier werden die Worte "Symphonic Power Metal" wirklich großgeschrieben. PATHFINDER sind keine Band, die sich leeren Versprechungen hingibt. Zu jeder Sekunde will ich vor Begeisterung aufschreien, die Songs sind so episch wie noch nie, von perfekten Orchester-Passagen unterlegt und die Band überschlägt sich bei den großartigen Melodien selber. So etwas ist ein absolutes Muss für jeden Fan melodischen Power Metals, der auch gerne viel Bombast in der Musik hat.

 

Wie es sich für ein ordentliches Album dieses Stiles gehört, wird es von einem Intro eingeleitet, welches gefälligst höchst dramatisch und orchestral zu sein hat. So auch hier – eine schöne Einstimmung auf die folgenden 68 Minuten. Ah, gleich Punkt Nummer Zwei erfüllt: Ein ordentlich langes Album, was einen maximalen Grad an Epik verspricht. Das kann auch gleich der Opener "The Whisper of Ancient Rocks" beweisen, welcher mit einem wunderbar speedigen Gitarren-Solo beginnt, während die Doublebass dem Hörer den Kopf wegpusten. Im Hintergrund sind unterstützende, sehr gut eingesetzte Chöre zu hören und Sänger Szymon legt ein paar wunderbare Schreie hin. Sowieso sind seine Vokal-Leistungen annähernd perfekt. Er legt eine angemessene Menge an Dramatik in seine Wörter und hat einen variablen Stimmumfang, wie maßgeschneidert für eine Band wie PATHFINDER. Nach diesem bereits von der EP bekannten Stück folgt ein Ein-Minütiges Interludium, in dem gefühlvolles Klavierspiel sowie Kampf-Geräusche erklingen. Das Herzklopfen eines Kriegers ertönt, und der Song geht in "Pathway to the Moon" über. Aber habet keine Angst: PATHFINDER agieren nicht wie MANOWAR und setzen zwischen alle zwei Songs ein solches kurzes Stück, sondern haben derer nur zwei auf dem Album. Der Rest sind vollwertige Tracks. Also, mit "Pathway to the Moon" liegt mir der erste noch nicht auf der EP veröffentlichte Song vor. Dieser schlägt in eine ähnliche Kerbe wie "The Whisper of Ancient Rocks" und besticht mit seinem großartigen und virtuosen Keyboard-Spiel von Keyboarder Slawek sowie partiell eingewobenem, weiblichen Opern-Gesang. Auch das folgende Stück "All the Mornings of the World" spiegelt wiederum neben seinem interessanten Titel die Symphonische Power Metal-Ader der Band wieder, aber bevor das langweilig werden könnte, überrascht die Band mit dem Track "the Demon Awakens", in dem Szymon – passend zum Titel – sehr professionell klingende Growls abliefert und besonders die Rhythmik des Songs überzeugen kann, welcher weniger mit symphonischen Elementen protzt als mit heavy Riffs und einem betörenden Refrain inklusive dem bereits erwähnten weiblichen Gesang. "Undiscovered Dreams" ist schon das, was der Titel anzudeuten vermag: Ein recht schmalziges Balladen-Epos mit obligatorischem Duett mit der allgegenwärtigen Dame, deren Name mir leider nicht bekannt ist. Zum Glück geht es recht verspielt und, am wichtigsten, schnell und powervoll mit dem nächsten Song "The Lord of Wolves" zu, welcher mit klasse Keyboard-Spielereien im Hintergrund erst nach einigen Durchläufen sein volles Potenzial entfaltet. Wie immer bewegen sich PATHFINDER im Spektrum des Symphonischen Power Metals, von bombastischen Passagen á la BLIND GUARDIAN bis zu melodischen Leads im Stile der alten Helden wie HELLOWEEN und GAMMA RAY. Textlich lassen sich die sechs Polen nicht von von der absoluten Fantasy-Kiste abbringen, was mir persönlich extrem gut gefällt, anderen aber wie immer auf die Nerven gehen könnte. Das soll mich aber nicht stören, ebenso wohl nicht den Großteil der Leserschaft, da Power Metal-Fans damit was anzufangen wissen. Es folgt ein bereits bekanntes Stück "Sons of Immortal Fire" ist denen, die die Band schon länger kennen, gut bekannt, dennoch kann das hymnische Stück mit dem einprägsamen Refrain und den sehr harten Strophen sofort die Gunst des Hörers gewinnen.

 

Das soll sich auch mit "Stardust" fortsetzen, welches zu Beginn mit einer gefälligen Melodie die Ohren des Hörers erobert, bevor Gitarrist Gunsen und Keyboarder Slawik in Verbindung mit fetten Drums zu einem Rundumschlag ausholen, der jedoch bereits nach ein paar Sekunden sehr ruhigem Klavierspiel sowie entsprechend bedächtigem Gesang weichen muss. Auch diese Passage muss zu einem Ende kommen, was vorerst ein melodischer Chor-Refrain erledigt, der im Song noch öfters zu hören sein wird. Der ganze Song ist sehr harmonisch aufgebaut, wodurch man sich nicht selten an Bands wie RHAPSODY OF FIRE erinnert fühlt. Wie euphorisch zockt die erst in 2006 gegründete Band auf ihren Instrumenten die frisch klingenden und exzellenten Melodien herunter, als wären sie schon seit Dekaden eine Band. "Stardust" ist somit ein richtiges Highlight auf dem Album: Emotional und abwechslungsreich präsentiert sich der 8-Minüter und ist somit ein wirkliches Epos. Wer dann beim süchtig machenden Ende des Stückes ankommt, kann einfach nicht die Skip-Taste drücken – zu wunderbar sind die Opern-Gesänge, die zusammen mit starken Orchester-Parts den Song abschließen. "Dance of Flames" kommt mit einer sehr fröhlichen Melodie daher, was auch wieder an die Heroen RHAPSODY erinnert, die ebenfalls gerne solche mittelalterlichen Zwischenstücke auf ihren Alben haben. Der Song geht unmittelbar in "To the Island of Immortal Fire" über, welcher zu Beginn ruhig zu beginnen scheint, dann aber sofort auf den Epik-Modus schaltet und mit fetten Chören den Hörer erdrücken will. Die gezielt eingesetzten diversen Orchester-Instrumente rufen Erinnerungen an perfekte Symphonic Power Metal-Alben wie "Symphony of the Enchanted Lands" hervor, was dem geneigten Power Metal-Fan nicht nur einmal einen wohligen Schauer bescheren wird.

 

Und jetzt folgt gerade mal das Herzstück des Albums: Das 10 Minuten dauernde Titelstück "Beyond The Space, Beyond The Time" beginnt. Und das nicht, wie erwartet sehr ruhig und sich steigernd, nein, die Band startet sofort wie schon im Opener mit verspielten Lead-Gitarren und voll ausgenutzten Orchester- und Chor-Passagen durch. Auf Anhieb erscheint dieses Stück sehr komplex – das ist es auch, und man muss es sich einige Male durch die Ohren pfeifen, bis man schlussendlich alles begriffen hat. Zu divers sind hier die Einflüsse, Melodien und virtuosen Spielereien, die wohl nur die Musiker selbst verstehen. Dennoch bleibt hier nach mehreren Durchläufen der Eindruck von etwas sehr Großartigem. Das Stück ist eine Klasse für sich und erinnert mich teils sogar an Epen neueren Datums von BLIND GUARDIAN, nur etwas verspielter und melodiöser.

 

Und wie es sich auch gehört, hat das Album ein vernünftiges Outro, "What If..." genannt und lässt alles offen, wie es mit den epischen Geschichten weitergehen mag. Die Band lässt Zeit zum Träumen. Das kann man aber auf dem ganzen Album, die polnischen Metaller kreieren ganze Welten mit ihrer Musik. Was sich auf der EP 2008 bereits andeutete, bewahrheitet sich nun auf dem Album in diesem Jahr. "Byond the Space, Beyond the Time" ist eine großartige und fast unglaubliche Überraschung, die ich so von dieser Band nicht erwartet hatte. Wenn PATHFINDER so weitermachen, können sie noch eine ganz große Nummer werden!

 

 


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